Migrantischer Stadtspaziergang – Orte der Vielfalt, Begegnung und Erinnerung|

„Es ist so wichtig, dass wir uns persönlich kennenlernen und uns in die Geschichte der Stadt reinschreiben.“ Mit diesem Gedanken endete für viele Teilnehmende der migrantische Stadtspaziergang am 23. Mai 2026 in Dessau-Roßlau.

Mit diesem Gedanken endete für viele Teilnehmende der migrantische Stadtspaziergang am 23. Mai 2026 in Dessau-Roßlau. Anlässlich des 77. Geburtstags des Grundgesetzes und im Rahmen des bundesweiten Aktionstags „Ehrentag“ luden migrantische Communities gemeinsam mit dem Projekt DiVA – Demokratie in Vielfalt Anhalt des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) e. V. dazu ein, die Stadt aus neuen Perspektiven kennenzulernen.


Doch an diesem Nachmittag ging es nicht um klassische Stadtgeschichte.
Es ging um Menschen, um Erinnerungen, um Erfahrungen und um Orte, die für viele Menschen weit mehr bedeuten als das, was auf den ersten Blick sichtbar ist.

Migrantischer Stadtspaziergang – Orte der Vielfalt, Begegnung und Erinnerung 03

Bereits an einer der ersten Stationen blieb die Gruppe mitten im Stadtpark stehen. Für viele war es einfach eine Grünfläche. Für eine Teilnehmerin jedoch ein wichtiger Ort ihres Alltags.
„Warum ist dieser Ort mitten im Stadtpark für unsere Community so wichtig?“, fragte sie die Gruppe. Dann erzählte sie von den regelmäßigen Treffen, die hier stattfinden: „Wir Frauen treffen uns hier, damit die Kinder spielen und toben können. Gleichzeitig haben wir die Möglichkeit, uns auszutauschen. Der Park ist für uns ein Ort der Teilhabe.“ Plötzlich wurde sichtbar, was sonst oft verborgen bleibt: Hinter alltäglichen Orten verbergen sich Geschichten von Zusammenhalt, Unterstützung und Gemeinschaft.

An insgesamt zehn Stationen führten Mitglieder verschiedener Communities die Teilnehmenden durch die Dessauer Stadt. Sie zeigten Orte, die sie mit ihrem Leben, ihren Erfahrungen und ihrem
Engagement verbinden. Dabei erzählten sie von ihrem Ankommen in Deutschland, von Herausforderungen und Erfolgen, von Zugehörigkeit und Ausgrenzung, aber auch von Begegnungen, die Mut gemacht haben.
Besonders eindrücklich waren die Gespräche über Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen sowie über die Erinnerung an Menschen, die Opfer rassistischer Gewalt geworden sind. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie diese Perspektiven bisher kaum wahrgenommen hatten.
Immer wieder entstanden spontane Gespräche. Menschen blieben länger an einzelnen Stationen stehen, stellten Fragen und tauschten Erfahrungen aus. Aus Zuhörenden wurden Gesprächspartner*innen.


Eine Besucherin brachte ihre Eindrücke am Ende des Spaziergangs auf den Punkt:
„So viele Geschichten, die wir bisher noch nie gehört und gekannt haben, konnten wir heute mitnehmen.“

Migrantischer Stadtspaziergang – Orte der Vielfalt, Begegnung und Erinnerung 02

Gerade diese persönlichen Geschichten machten den Spaziergang für viele besonders. Statt über Communities zu sprechen, kamen Menschen selbst zu Wort. Statt über Teilhabe zu diskutieren, wurde sie an diesem Nachmittag sichtbar und erlebbar.
Zwischen den Stationen entstanden neue Kontakte, Ideen für gemeinsame Projekte und Verabredungen für weitere Treffen. Viele Teilnehmende blieben auch nach dem offiziellen Ende noch zusammen, führten Gespräche fort und tauschten Kontaktdaten aus.
Als schließlich das gemeinsame Gruppenfoto entstand, standen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten nebeneinander. Was sie an diesem Nachmittag verband, war die Erfahrung, einander zuzuhören, voneinander zu lernen und neue Perspektiven auf ihre Stadt kennenzulernen.

Der migrantische Stadtspaziergang machte deutlich, dass die Geschichte einer Stadt nicht nur aus Gebäuden und Straßennamen besteht.
Sie entsteht jeden Tag neu – durch die Menschen, die hier leben, sich engagieren und ihre Erfahrungen miteinander teilen.

LAMSA e. V. bedankt sich bei allen Community-Vertreter*innen, Teilnehmenden und Unterstützer*innen, die diesen besonderen Nachmittag ermöglicht haben.